Malort

in Neuruppin

Vielen Dank für Ihren Besuch. Ich, Stefanie Selhorst, möchte Ihnen einen Ort vorstellen, den es jetzt auch in Neuruppin gibt. Malorte finden Sie überall auf der Welt. Es sind Reservate für Ihre Träume, die Sie Woche für Woche besuchen können.

Der Malort ist der Ort,

  • wo das spontane Spiel mit dem Pinsel farbige Spuren hinterlässt,
  • wo sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene jeden Alters wöchentlich zusammenfinden und sich erfreuen
  • wo jeder einzelne Malspielende vor Ablenkung, Leistungsdruck, Konkurrenz und Kritik geschützt wird
  • wo jeder sich auf seinen eigenen Spielraum besinnt, sich zu sich selbst hin entwickelt.

Idee

Die Malstunde

Die Malstunde verläuft immer gleich. Sie ist geprägt von Ritualen. Sie kommen an, nehmen sich einen Kittel und ziehen ihn über. Und so beginnt das Spiel. Sie betreten den Malort, grüßen kurz, nehmen sich ein Blatt und halten es dort an die Wand, wo Sie malen möchten. Die Wände des Malorts sind fensterlos und rundherum von der Decke bis zum Boden mit Weichfaserplatten ausgekleidet. Ich hefte das Blatt mit zwei Reißnägeln in der richtigen Höhe an. Sie nehmen sich weitere vier Reißnägel, und übernehmen nun die Befestigung des Blattes. Jetzt treten Sie an den Paletten-Tisch mit seinen 18 leuchtenden Bio-Tempera-Farben. Jede Farbe hat ihre eigenen Pinsel, ihr eigenes Wasserglas. Vor allem aber hat jede Farbe ihre eigene Art, um Ihre Aufmerksamkeit zu ringen. Schon sind Sie im Bann der Magie der Farben und Formen. Dieser Bann treibt Sie dann ohne Unterlass zwischen dem Paletten-Tisch und ihrem eigenen Spielraum, dem Blatt an der Wand, hin und her. Ein fremder Zeuge würde meinen, Sie und die anderen Spielenden, inszenierten einen zuvor eingeübten Tanz. Ist das Blatt fertig, so hänge ich es zum Trockenen. Sie holen sich danach das nächste Blatt. Stellt sich im Laufe des Malens heraus, dass der Raum eines Blattes nicht ausreicht, so hefte ich noch ein Blatt daneben, darüber, darunter... Mitunter folgen danach noch weitere Blätter. Reichen die Blätter bis zur Decke, so steigen Sie zum Malen auf die Leiter. Wird Ihr Bild fertig, so lege ich es Ihnen vor der nächsten Malstunde bereit. Im Schutz des Malorts gestalten Sie einen Prozess, der kein Ziel hat und nicht aufhört.

Hauptfigur

Die Spur des Spiels

„Der Malspielende erlebt, wie seinem Pinsel eine Spur entfließt. Sie drängt sich ihm als innere Notwendigkeit geradezu auf. Und der Spielende ist davon beglückt.“ — Arno Stern

Diese Spur hat Arno Stern entdeckt, erforscht und sie Formulation genannt.

So entwickelt sich die Formulation

Giruli und Pünktili

das ganz kleine Kind bringt die Spuren seiner Bewegungen auf das Blatt. Klopft es, so entstehen Pünktili, viele kleine Punkte. Dreht es die Hand, so entstehen Giruli, die aussehen wie Knäule.

Erstfiguren

Die Erstfigur ist ein spontaner Ausdruck, der nicht steuerbar ist. Würde sie durch Belehrungen gelenkt, so stellte das eine Belastung für das Kind dar.

4 Beispiele

Strahlenfigur
Strahlenfigur
Grätenfigur
Grätenfigur
Pünktili
Pünktili und 2 Bögen
Bogen
Bogen

Es gibt noch viele andere Erstfiguren, mit denen das kleine Kind spielt. Es ist ein Bedürfnis und ein reines Vergnügen, die Erstfiguren zu zeichnen.

Die Erstfiguren haben eine vorgesehene Evolution, die den Menschen aller Völker und Kulturen gemein ist.

Bilddinge und Trazate

Die Erstfiguren bleiben in den Bilddingen bestehen. Diese stehen nun für Gegenstände wie Sonne, Haus, Mensch, Tier, Baum… Trazate sind die Grundformen der Erstfiguren, die in keiner Phase der Formulation verloren gehen. Beispiele sind der Trichter, die Einengung, der Bogen, der Behälter…

Pünktili unter dem Vorwand der Wimmel-Menge Sterne
Pünktili unter dem Vorwand der Wimmel-Menge Regentropfen

Eine Erstfigur kann also später verschiedene Gegenstände einkleiden:

Die Grätenfigur eingekleidet in das Bildding Baum
Das Bogen-Trazat hier eingekleidet in das Bildding Haarschopf…
und in das Bildding Regenbogen
Die Strahlenfigur eingekleidet in das Bildding Sonne

Hauptfiguren

drängen sich auf, wie die Erstfiguren. Auch sie sind zumeist gar nicht gegenständlich eingekleidet. Die Hauptfiguren erscheinen in einer späten Periode der Formulation. Damit spielen Erwachsene und ältere Jugendliche. Man findet dort Trazate, die Grundformen der Erstfiguren, die bei der Formulation nie verloren gehen, z.B. Trichter, Einengungen, Bogen, Behälter…

Ein Beispiel für eine Hauptfigur ist der Rhythmus.

Hauptfigur

Er schwingt durch den Raum hindurch. Zuweilen dehnt er sich aus und wiederholt sich. Manchmal ist auch ein Baum die Einkleidung des Rhythmus. Oder man findet ihn im Gelb, Rot und Orange des schwingenden Licht-Raums.


Die Bedeutsamkeit dieses Spiels

„Ein Pinselstrich auf Papier, eine Äußerung ohne Absicht, die nur dem eigenen Bedürfnis folgt, bringt den Menschen zu sich selbst zurück.“ – Arno Stern

Das Spiel mit Pinsel und Farbe hat, auch wenn das nahe zu liegen scheint, nichts mit Kunst zu tun. Auch in anderer Hinsicht liegt es jenseits des alltäglichen Funktionieren-Müssens. Es ist weder als Therapie oder handwerkliche Geschicklichkeitsübung, noch als Kreativitätstraining gedacht… All diese Zwecke einer am Nutzen orientierten Gesellschaft kommen vielleicht ganz nebenbei auch ins Spiel, die Bedeutsamkeit des Malspiels liegt aber ganz woanders. Sie erschließt sich letztendlich nur dem Spielenden selbst und ich nenne sie: Die ungetrübte Freude an sich selbst.

Eine schleichende gesellschaftspolitische Tendenz sucht den Menschen vom handelnden Subjekt, das sich seine Welt aktiv schafft, zu einem passiven Objekt zu wandeln. Gewünscht ist nicht der individuelle Mensch, sondern das Objekt optimierender Kräfte. Der volkswirtschaftliche Nutzen unserer Biographien nach Maß wird von Wissenschaftlern ausgerechnet. Deren Erkenntnisse sucht der Gesellschaftspolitiker dann durchzusetzen. Zudem: Wenn wir und unsere Kinder uns dem System Smartphone und Facebook unterordnen, dann stellt sich uns immerzu die Frage: Fügen ich mich nun in das System oder nicht?

Die Freude am Malspiel, die ja ganz persönlich und von jeglichem gesellschaftlichen Anspruch an uns losgelöste ist, hilft uns, uns auf uns selbst zu beziehen. So können wir ein inneres Bild von uns selber als eigenständiges handelndes Subjekt entwickeln und pflegen.

Die Leistung des Malorts liegt im Schützen der Formulation. Der Schutz: Die Spur selber ist niemals Thema im Malort, und jegliche Kritik unterbleibt. Kein Bild wird bewertet und verglichen. Die Formulation kann sich besonders gut entfalten, wenn der Schwerpunkt auf dem Prozess liegt. Die Beachtung der Wirkung wäre schädlich, denn sie würde Distanz schaffen, der Spielende würde Abstand von seiner eigenen Spur nehmen und die Spontanität würde verkümmern. Um den notwendigen Schutz zu gewährleisten, ist es nötig, die Bilder im Malort zu lassen, wo sie archiviert und besucht werden können.


Arno Stern

Arno Stern

Entdecker der Formulation und Entwickler des Malorts ist Arno Stern. Geboren 1924 in Kassel, floh er mit seiner jüdischen Familie aus dem Hitlerdeutschland nach Frankreich und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in einem französischen Kinderheim für Kriegswaisen die Aufgabe, diese Kinder zu beschäftigen. Seitdem ist er ununterbrochen damit beschäftigt, das Spiel mit Pinsel und Farbe zu beobachten, zu erforschen und zu schützen. Als Schutzraum schuf er den Malort, der inzwischen weltweit verbreitet ist, und bildet bis heute die Dienenden im Malort aus. Sein wichtigstes Forschungsergebnis ist die Formulation, deren Kenntnis auch im Zentrum der Ausbildung steht.

Um seine Vermutung der Universalität der Formulation bestätigt zu sehen, unternahm er seit den sechziger Jahren Reisen zu Volksstämmen, die noch von Schule unberührt waren. Er ging zu Stämmen in Afghanistan, Niger, Mexiko, Neuguinea und den Anden, ließ die Menschen malen und fand genau dieselben Spuren wie in Paris. Die Entwicklung der Formulation ist im Menschen angelegt und hängt weder von der Kultur noch von der Umgebung ab.

„Die Formulation ist eine Äußerung mit ihrem eigenen Wesen und einer eigenen Grammatik, die nicht gelernt werden muss, sondern quasi programmiert ist. Die Formulation entstammt nicht der Absicht und doch ist sie nicht zufällig. Sie drängt sich als innere Notwendigkeit der malenden Hand auf.“ – Arno Stern

Links

  • „Alphabet, Angst oder Liebe?“ (YouTube) – Ein Dokumentationsfilm von Erwin Wagenhofer. Hier wird verdeutlicht, welche Rolle das Malspiel nach Arno Stern in der aktuellen internationalen Bildungsdebatte spielt.
  • arno-stern.com/de – Website Arno Stern

Stefanie Selhorst

Stefanie Selhorst

Arno Sterns Satz,

„Der Malspielende muss nicht von seiner Konzentration aufs Spiel ablassen, wenn er sich versorgt weiß.“,

gab für mich den Ausschlag, mich von ihm im Sommer 2014 ausbilden zu lassen. Als Verantwortliche der Werkstatt am Evangelischen Kindergarten in Neuruppin hatte ich, lange bevor mir Arno Stern jemals begegnete, genau diese Beobachtung gemacht. Das Kind, das sich an einen zuverlässigen Erwachsenen binden darf, entfaltet sich wie eine Knospe, die langsam zur Blüte wird. Darf der zuständige Erwachsene sein Kind bedingungslos annehmen, darf er es behüten und trösten, wenn es frustriert ist, so entfaltet das Kind ganz unwillkürlich sein volles Potenzial. Ein solches Kind braucht gar nicht belehrt oder unterrichtet zu werden. Das liegt daran, dass diesem Kind die Verantwortung für seine Versorgung und Sicherheit abgenommen wird. Es kann dann alle Sinne auf das Schöpfen richten. Das bestätigte mir auch eine Weiterbildung nach den Einsichten des kanadischen Entwicklungspsychologen Gordon Neufeld.

Kurse

  • Kurs 1 Montag 15:00 – 16:30 Uhr
  • Kurs 2 Montag 17:30 – 19:00 Uhr
  • Kurs 3 Mittwoch 16:30 – 18:00 Uhr
  • Kurs 4 Donnerstag 16:00 – 17:30 Uhr

Es ist jederzeit möglich in eine Malgruppe einzusteigen.

Preise und Vertrag

Die Malstunden finden während der Schulzeit im Land Brandenburg statt. Die Kursgebühren ergeben sich aus der Annahme von 36 Malstunden pro Jahr bzw. 18 Malstunden pro Halbjahr. Eine Malstunde dauert 90 Minuten. Im Preis enthalten sind Farben und Papier, Malkittel liegen bereit.

Jahresvertrag

  • 1 Malspielender 42 € / Monat
  • Bei 2 oder 3 Malspielenden einer Familie 33 € / pro Person & Monat
  • Bei mehr als 3 Malspielenden einer Familie 26 € / pro Person & Monat

Halbjahresvertrag

  • 1 Malspielender 53 € / Monat
  • Bei 2 oder 3 Malspielenden einer Familie 44 € / pro Person & Monat
  • Bei mehr als 3 Malspielenden einer Familie 37 € / pro Person & Monat

Zunächst wird eine kostenlose Probestunde angeboten, der ein Informationsgespräch vorangeht.

Download Vertragsformular (PDF)

Kontakt

Poststraße 23
16816 Neuruppin

Stefanie Selhorst
Tel. 03391 358547
SMS 0172 877 1446
E-Mail: info@malort-neuruppin.de
Persönlich: während der Schulzeit immer montags im Malort, 16:30 – 17:17 Uhr